Projekte / Universität für Bodenkultur-Tüwi

Universitätsgebäude - 3. Preis Wettbewerb

Universität für Bodenkultur / Türkenwirt-Gebäude

P.GOOD Architekten in Zusammenarbeit mit grundstein

Die Zukunftswerkstatt TÜWI ist ein Leuchtturmprojekt für Nachhaltiges Bauen. Der innovative, identitätsstiftenden, energiebewusste Entwurf ist als hochkompakter Baukörper mit nur einem Untergeschoß und einem maximalen Fluchtniveau von 11m konzipiert. Dies erlaubt und ermöglicht eine wirtschaftliche Holzkonstruktion, wodurch ein wesentlicher Beitrag zum ökologischen und kosten­günstigen Bauen geleistet werden kann. Ein puristisches Materialkonzept definiert das Projekt und bestimmt die klare Ästhetik der Innenräume.
In einem interdisziplinären Planungsprozess wurden die differenzierten Anforderungen der Aufgabestellung von Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen von Anfang an gleichzeitig bearbeitet mit dem Ziel einen ganzheitlich optimierten Entwurf zu entwickeln.

Themen, die sich als wesentliche Parameter herauskristallisierten sind:

1. Architektur als Landschaft
2. Städtebau
3. Klare interne Organisation
4. Integrales Forschungsgebäude als offenes Konzept
5. Kompaktheit
6. Brandschutz- und Fluchtwegekonzept
7. Baustoffkonzept
8. Ruhender Verkehr

Architektur als Landschaft

Um das komplexe Raum- und Funktionsprogramm optimal zu erfüllen, wird die gesamte Zugangsebene als Landschaft interpretiert, die sich topographisch vom Straßenraum durch das Gebäudeinnere bis in den Garten entwickelt. Dadurch wird es möglich die wesentlichen Funktionsbereiche Audimax, Mensa, Lehrmittelstelle und TÜWI unmittelbar vom Eingangsbereich zu überblicken und auf kurzem Weg zu erreichen.
Speziell in der Mensa, als Ort der Verbindung zur Landschaft, wird die Topographie und der Bezug zu Vegetation und Außenraum besonders stark erlebbar.
Der Hörsaal stellt das Herz des Gebäudes dar und ist durch seine charakteristische, topographische Form mit der schrägen Untersicht besonders prägnant und dadurch im Gebäudeinneren und auch von außen sofort erkennbar.
Durch den Einsatz unterschiedlicher biologischer Fassaden wird die Gebäudeoberfläche ihrerseits selbst zum identitätsstiftenden Landschaftselement.
Die variable Hauptfassade aus Photobioreaktoren (Algen) im Süden und Westen sowie unterschiedliche Begrünungssysteme repräsentieren eine Komposition aus Vegetation stets in Synergie mit mindestens einem Zusatznutzen wie Energieproduktion und Beschattung (Süd), Regenwasserreinigung (Ost), Lüftungsführung über Grünpufferwände (Institute), Kühlung der Photovoltaikanlage durch Transpirationsleistung der Pflanzen, Beschattung (Dachgarten) etc.

Städtebau

Der herausragenden kulturellen und funktionalen Bedeutung der Bauaufgabe wird mit einer selbstbewussten Baukörperform entsprochen, die ein Zeichen im Straßenraum setzt und durch die veränderbaren Forschungsfassaden die Arbeit der BOKU nach außen kommuniziert.
Das Gebäude vermittelt zwischen der Großform der Hotelfachschule, der kleinteiligen Struktur des Cottageviertels und der Landschaft des Türkenschanzparks.
Durch die biologische Fassadengestaltung und die direkte Sichtverbindung am Haupteingang tritt das Gebäude in Dialog mit dem diagonal gegenüberliegenden Park.Die Baukörperoberfläche wird neben den städtebaulichen Parametern auch durch eine energetische Optimierung geformt und profitiert dabei vom Freiraum des Parks durch unbeschatteten Sonnenenergieeintrag.

Klare interne Organisation

Das Konzept der funktionalen Organisation unterteilt das Gebäude in die Bereiche für Studierendenselbstverwaltung sowie Forschung und Lehre.
Der Universitätsbereich mit Hörsaal, Mensa, Instituten, Lern- und Lehrbereichen ist im Kopfbau an der Peter Jordan Straße untergebracht, während die Bereiche der Studierendenselbstverwaltung, TÜWI und ÖH im schmalen Gebäudeteil an der Dänestraße zusammengefasst werden.Lern- und Lehrbereiche finden sich hauptsächlich um das Atrium in den Obergeschossen angeordnet und sind als offene flexibel trennbare Zonen ausgebildet; die sich von der Photobioreaktorfassade im Süden bis zur Regenwasserfilterfassade im Osten erstrecken.
Das Foyer beherbergt die Haupterschliessung, weitere Lern- und Lehrbereiche, die Mineralienschausammlung, einen Infoscreen für die Vermittlung der Gebäudeperformance und macht die Photobioreaktorfassade von innen zum erlebbaren Schaustück.

Integrales Forschungsgebäude als offenes Konzept

Der Einbindung von Forschungskonzepten liegt eine Analyse der architektur- bzw. gebäuderelevanten Forschungsprojekte der BOKU zugrunde und wird als offener Vorschlag interpretiert, der in Zusammenarbeit im Rahmen des integralen transdisziplinären Planungsprozesses weiterentwickelt werden soll.
Wir schlagen daher flexible Strukturen vor, die Möglichkeiten für zukünftige Forschung beinhalten. So können beispielsweise die Module der Süd- und Westfassade einfach aus der Tragstruktur ausgehängt und durch andere Elemente ersetzt werden.

Kompaktheit

Der Entwurf ist als hochkompakter Baukörper mit nur einem Untergeschoß und einem maximalen Fluchtniveau von 11m konzipiert, was eine Einordnung in die Gebäudeklasse 4 ermöglicht. Dies bringt einen wesentlichen Vorteil gegenüber einer Ausführung in Gebäudeklasse 5, z.B. hinsichtlich der allgemeinen Anforderungen an das Brandverhalten – dadurch ist es möglich eine wirtschaftliche Holzkonstruktion ohne aufwändige Brandschutz­verkleidungen zu planen, was einen wesentlichen Beitrag zum ökologischen und kostengünstigen Bauen darstellt.
Auf ein zweites Kellergeschoss mit Tiefgarage wird in Hinblick auf die schwierigen Bodenverhältnisse und die Baukosten verzichtet.

Brandschutz- und Fluchtwegekonzept

Die Lage des Hörsaals im Erdgeschoss ermöglicht es von jedem Sitzplatz aus innerhalb von 40m direkt ins Freie zu flüchten, was bei optimaler Sicherheit der Studierenden zu einer Reduktion von aufwändigen Fluchtstiegen und Brandabschottungen beiträgt.
Aus dem TÜWI und der Mensa gelangt man ebenfalls ohne Stiegen direkt ins Freie.
Zwei interne Stiegenhäuser und eine Freitreppe garantieren die Fluchtmöglichkeit im Brandfall für jeden weiteren Gebäudeteil. Brandschutzwände und Brandschutzvorhänge (Foyer) ergänzen dieses Konzept.

Baustoffkonzept

Ein sparsamer Umgang mit Materialien (sowohl in der Menge als auch der Anzahl der unterschiedlichen Materialien) verdeutlicht den gewissenhaften nachhaltigen Aspekt des Projektes:

CO2 reduzierter Beton aus Hüttensand für erdberührte Bauteile und den Bauteil Hörsaal.
Holz-Beton Verbundbauweise für TÜWI und ÖH sowie die Geschosse der Institute.

Diese tragenden Materialien werden zur Bauteilaktivierung herangezogen und als Sichtelemente ausgeführt, was das puristische Materialkonzept unterstreicht und die klare Ästhetik der Innenräume bestimmt. Ergänzt wir dieses Konzept durch Böden aus Holz und Naturstein sowie die umfassenden Maßnahmen zur Integration von Vegetation im Gebäude.

Ruhender Verkehr

Die Zukunftswerkstatt TÜWI ist ein Leuchtturmprojekt für Nachhaltiges Bauen - die Anordnung von Autostellplätzen widerspricht diesem Konzept. Es wird daher kein kostenintensives Garagengeschoss eingeplant. 250 Stellplätze für (Elektro-) Fahrräder sind den unterschiedlichen Funktionen zugeordnet: Mitarbeiterstellplätze im Gebäudeinneren, Stellplätze im Bereich TÜWI sowie an der Peter Jordan Straße bei Haupteingang und Mensa. Die Photovoltaikanlage liefert den Strom für das Aufladen der Elektrofahrräder.

Auftraggeber BIG
Adresse

1190 Wien, Peter-Jordan-Str. 76

Nutzfläche 4.500 m2
Projektstatus abgeschlossen

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