Projekte / Universität für Bodenkultur Wien

Wettbewerb - Neubau für die Universität für Bodenkultur Wien


Architektonische Aspekte

Ausgangspunkte
- Attraktiver, gemeinsamer Zugangsbereich für das neue Gebäude und das Schwackhöfer Haus
- Eigenständiges Gebäude mit unverwechselbarem Charakter
- Umgang mit den Möglichkeiten des Werkstoffes Holz
- Einbindung in die bestehenden Niveaus des Grundstückes

Um das Universitätsgelände zu strukturieren und einen klar ablesbaren Zugang für die beiden Institutsgebäude zu definieren öffnet sich das Gebäude mit einem eingeschossigen Einschnitt an der südwestlichen Ecke zum bestehenden Wegenetz.
Der Einschnitt bildet einen attraktiven, teilweise überdachten Vorplatz, der als Treffpunkt dient und in Verbindung mit den beiden Geschäften auch zum Verweilen einlädt. Die großzügige Erschließung setzt sich im Gebäudeinneren fort, wo über Galerien eine Sichtbeziehung über mehrere Geschosse von den Seminarräumen bis zur Bibliothek möglich ist.
Das neue Gebäude selbst wird als Solitär wahrgenommen, der von einer feingliedrigen Lamellenfassade aus Holz umgeben ist. In die bestehende Topographie fügt sich das Gebäude harmonisch ein, wodurch ein barrierefreier Zugang direkt von außen in zwei Geschossen ermöglicht wird

Material
Holzstützen und Träger aus Brettschichtholz bilden ein Achsraster, das Deckenelemente aus Brettsperrholz trägt. Lediglich die unterirdischen Geschosse und die Erschließungskerne bestehen aus Stahlbeton. Das Gebäude ist von einem feingliedrigen Raster aus Lärchenholzlamellen umgeben. Im Bereich der Fensteröffnungen von Aufenthaltsräumen wird dieser Raster von Faltschiebeläden gebildet. Die Nutzer können die Fensterläden nach ihren individuellen Bedürfnissen öffnen und schließen und damit die Beschattung sowie die Durchsicht regulieren.

Funktionale Aspekte

Flexibilität
Um die stark unterschiedlichen Raumgrößen der verschiedenen Funktionen übereinander anordnen zu können gibt es einen Achsraster, der die unterschiedlichen Raumgrößen aufnehmen kann. In den oberirdischen Bereichen besteht dieser Achsraster aus Holzstützen und einzelnen aussteifenden Wandscheiben. Durch den weitgehenden Verzicht auf tragende Wände wird eine freie und veränderbare Anordnung der Trennwände ermöglicht. Diese Flexibilität bleibt während der Bestandsdauer des Gebäudes erhalten und ermöglicht nachträgliche Funktionsänderungen und Umnutzungen.

Natürliche Belichtung
Der Baukörper ist U-förmig angeordnet damit möglichst viele Bereiche natürlich belichtet und belüftet werden können. Im Souterrain wird natürliches Licht über einen großzügigen Luftraum in den Erschließungsbereich geleitet. Die Seminarräume in diesem Geschoss werden über große Oberlichtfenster oder Shedfenster belichtet.

Tragwerkskonzept
Das Gebäude besteht aus einem massiven Sockelgeschoß (Stahlbetonbauweise) und den in Massivholzbauweise konzipierten Obergeschossen. Als Deckensysteme kommen Brettsperrholzelemente zum Einsatz. Durch diese Konstruktionsweise wird für die vorhandenen Spannweiten von ca. 8,0m ein optimiertes Deckenelement erzielt. Die Decken spannen sich zwischen den fassadenbegleitenden Parapetträgern (Brettschichtholz) und den über den Holzstützen situierten Holzunterzügen (Brettschichtholz).Die vertikalen Tragelemente bestehen aus Holzstützen (Brettschichtholz) und einzelnen, aussteifenden Brettsperrholzwänden Das Sockelgeschoß beinhaltete die Seminarräume und ist als Massivbau mit einer vorgefertigten Stahlbetonrippendecke konzipiert, wobei die Decke über den Seminarräumen auch als Lastwechselplatte fungiert, auf die dann die Holzgeschosse gestellt werden können. Die Gebäudeaussteifung wird über die Deckenscheiben, Wandscheiben und die Betonkerne der Erschließung erzielt.

Brandschutz
Der Notwendige Brandwiderstand für die tragenden Bauteile in Gebäudeklasse 5 bis 6 Geschosse ist R90 (nicht A2) und kann mit Brettsperrholz ohne Beplankung durch entsprechende Dimensionierung erreicht werden. Unterirdische Geschosse und Treppenhäuser werden in Stahlbeton R90 und A2 ausgeführt.

Erschließung / Fluchtwege
Aus dem Erdgeschoss und dem Souterrain gelangt man direkt ohne Niveauunterschied ins Freie. Die Obergeschosse werden durch eine attraktive Haupttreppe, zwei Fluchttreppen und einen Aufzug erschlossen. Durch die drei brandbeständigen Stiegenhäuser wird gewährleistet, daß aus jedem Raum zwei getrennte Fluchttreppen erreicht werden können, wobei die gemeinsame Fluchtweglänge maximal 25 Meter beträgt. Die bestehenden Fluchtwege aus dem Schwackhöfer Haus werden durch das neue Gebäude nicht beeinträchtigt.


Ökonomische, Ökologische Aspekte

Das Gebäude wird hochwärmegedämmt und in Niedrigstenergiehaus Standard ausgeführt. Dabei wird besonders darauf geachtet die Haustechnikkomponenten möglichst zu reduzieren um die Baukosten und den zukünftigen Wartungsaufwand gering zu halten. Durch die Holzbauweise wird auch die im Gebäude gespeicherte Graue Energie im Vergleich zu einem Massivbau deutlich reduziert.

Wärmedämmung
Die 20 cm starken Brettsperrholzwände werden von einer hinterlüfteten Konstruktion mit 18cm Mineralwolledämmung und Holzverschalung nach außen hin verkleidet. Die Dachkonstruktion besteht aus 24cm Brettsperrholz mit einem Warmdachaufbau und 22cm Mineralwolledämmung. Zum Innenraum werden die Brettsperrholzelemente in Sichtqualität ausgeführt und nicht weiter behandelt. Der U - Wert des Daches beträgt 0,13 W/m²K, der U-Wert der Wand 0,16 W/m²K.

Energiebereitstellung
Das Gebäude wird an die auf dem Areal bereits bestehende Fernwärmeversorgung angeschlossen. Die Wärmeverteilung erfolgt durch eine Niedertemperatur - Fußbodenheizung in allen Räumen.

Lüftung / Kühlung
Das Gebäude wird soweit als möglich natürlich belüftet. Dazu dienen Lüftungsflügel in den Fenstern die manuell geöffnet werden können und zusätzlich mit elektrischen Stellmotoren ausgestattet sind. Die Stellmotoren sind mit einer Steuerungselektronik verbunden, die aufgrund der Temperaturdifferenz, Luftfeuchtigkeit, Wind und Regen eine optimierte Fensteröffnung steuert. Damit kann eine Nachtlüftung- und Kühlung des Gebäudes erreicht werden. Die großen Räume mit hoher Personenanzahl, wie etwa die Seminarräume müssen zusätzlich mit einer mechanischen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgestattet werden um den hygienischen Luftwechsel sicher zu stellen. Aufgrund der Nachtlüftung und der vorlesungsfreien Zeit in den Sommermonaten soll auf eine Kälteerzeugung verzichten werden.

Photovoltaik
Auf dem Flachdach werden Photovoltaikelement aufgestellt. Der erzeugte Strom kann ohne Zwischenspeicherung direkt für die Beleuchtung der unterirdischen Bereiche sowie den Strom für die Lüftungsanlage und die Stellmotoren verwendet werden. Überschüsse können ins Stromnetz der bestehenden Universitätsgebäude eingespeist werden.

Städtebauliche Aspekte

Die Anordnung des Baukörpers auf dem Grundstück wird weitgehend von der Lage der Bestandsgebäude, der Topographie und der Wegeführung determiniert. Ein eindeutig erkennbarer Eingangsbereich soll die Zugangssituation auf den nördlichen Grundstücksteil klar definieren.

Baurecht
Die geltende Flächenwidmung und die Baufluchtlinien werden eingehalten. Die Gebäudehöhe kann über eine Fassadenabwicklung gemäß §81 (2) BO nachgewiesen werden.

Adresse 1190 Wien, Peter Jordan Straße 82
Nutzfläche ca. 3.000 m2
Einheiten Seminarzentrum, Bibliothek, Institutsräume, Poll- und Userräume
Projektstatus abgeschlossen

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