Projekte / Breitenfurterstrasse 59-79

Wohnbau - 1. Platz WB

Die sehr unterschiedlichen Eigenschaften des Umfeldes legen eine Orientierung der Wohnungen Richtung Südwesten zum ruhigen Grünraum nahe. Der Bauplatz liegt an der stark befahrenen Breitenfurter Straße mit Straßenbahn- und Buslinien und in der Nähe der parallel dazu verlaufenden Bahngleise. An der Rückseite grenzt das Grundstück in Richtung Südwesten an eine Reihenhausanlage mit einer sehr großzügigen zentralen Grünfläche. 

Interventionen

- Abschirmen des lauten Straßenraumes
- Orientierung der Wohnungen zum ruhigen Grünraum
- ruhige Grünzone
- Orientierung der Wohnungen von Südosten bis Südwesten
- Zwischenschalten einer interne Fußgängerzone
- Blickbeziehungen ins Grüne durch Höhenstaffelung der Baukörper

Baukörper

Die Untersuchung von mehreren Bebauungsvarianten führte zu einer zweizeiligen Bebauung. Straßenseitig wurde ein Geschosswohnbau mit Geschäftszone im Erdgeschoss und darüber 6 Wohngeschossen konzipiert. Gartenseitig wurde eine reihenhausähnliche Struktur mit 4 Geschossen geplant, die einen Übergang zu der angrenzenden Reihenhausbebauung herstellt. Eine begrünte interne Fußgängerzone im 1.OG ist den beiden Baukörpern zwischengeschaltet.
Durch dieser offenen Fußgängerzone und einer Brücke zwischen Straßen- und Gartenbauteil im 2.OG ist es möglich alle Wohnungen mit nur 3 Stiegenhäusern barrierefrei zu erschließen. Dieses System ermöglicht es außerdem nahezu alle Wohnungen zum ruhigen Grünraum zu orientieren.
Die Situierung der Garagenzufahrt und -ausfahrt verhindert, dass durch die PKWs der zukünftigen Bewohner eine Verkehrsbelastung im ruhigen, angrenzenden Wohngebiet entsteht.
Entlang der Breitenfurter Straße besteht über die Länge des Grundstückes ein Niveauunterschied von ca. 3,5 Metern. Diese Höhenentwicklung wird in Form einer Abtreppung des Baukörpers, sowie der innenliegenden Fußgängerzone aufgenommen.

Raumprogramm

110 der 116 geplanten Wohnungen sind an der Südwestseite mit einer Orientierung zum angrenzenden Grünraum der bestehenden Reihenhaussiedlung orientiert. Alle Wohnungen verfügen über private Freiflächen in Form von Loggien, Terrassen oder Eigengärten. Dem Konzept entsprechend werden Kinderwagenabstellräume in den Wohngeschossen an der Straßenseite untergebrach, um optimale Abstellmöglichkeiten zu schaffen und Flächen für großzügige, durchgehende Geschäfte im EG freizugeben. Die Auslagenfronten der Geschäfte schaffen eine lebendige Erdgeschosszone, die wesentlich zur Aufwertung des Straßenraumes beiträgt.

Freiraum

Die interne Fußgängerzone bietet einen attraktiven Kommunikationsbereich mit öffentlichen Freiflächen, Sitzgelegenheiten, großzügigen Pflanztrögen, hölzernen Sitzdecks und Zierkirschen. Ergänzt wird dieses Freiflächenangebot durch einen Jugend- und Kinderspielraum in unmittelbarer Nähe zum Kinderspielplatz. Dieses Freiflächennetzwerk ist mit allen Gemeinschaftsräumen direkt verbunden.
Die Wegbreite variiert und öffnet sich platzartig zu den gemeinschaftlichen Einrichtungen.
Die Abtrennung der Mietergärten im 1.OG erfolgt über ca. 40 cm hohe Tröge bzw. Spanndrähte in der selben Höhe. Die Tröge mit einer etwas höheren Grasbepflanzung bieten geschützte Aufenthaltsbereiche bei den Terrassen.
In der abgesenkten, geschützten Zone vor den Kinder- und Jugendspielräumen finden sich altersgerechte Ausstattungselemente. Den Abschluss bildet eine größere Baumgruppe.

Ökonomie

Kostenreduktion durch intelligente Planung.
Die Kompaktheit der Baukörper, die klare statische Konstruktion und das wirtschaftliche Erschließungssystem ermöglichen trotz hoher energetischer Qualitäten günstige Baukosten.
Durch ein optimiertes Verhältnis der Nutzfläche zur Bruttogeschossfläche und der flächenmäßigen Optimierung der SMART Wohnungen wird ein ökonomisch sinnvolles Gleichgewicht der Mehraufwendungen erzielt. Bei der Wahl der Materialien wird auf nachhaltige Reduktion von Instandhaltungskosten geachtet.

Soziale Nachhaltigkeit

Ein Schwerpunkt des Projektes widmet sich dem Thema Generationenwohnen.
Als spezielles, gemeinschaftlich orientiertes Wohnangebot für Menschen in der nachberuflichen und nachfamiliären Lebensphase wird eine „Wohngruppe 55+“ in das Gesamtbauvorhaben integriert. 11 kompakte, altersgerechte 2- und 3-Zi.-Mietwohnungen unterschiedlicher Größe mit privaten Loggien bilden ein sozial differenzierendes ‚Insert‘ und
intergeneratives Element in der Wohnanlage. Die Wohngruppe verteilt sich auf 2 Geschosse um ein gemeinsames Stiegenhaus und kann auf beiden Geschossen mehrere multifunktionale Gemeinschaftsräume mit Gemeinschaftsküche, Wintergarten etc. exklusiv nutzen. Die genaue Nutzungsfestlegung erfolgt durch Partizipation der Mieter/innen. Ein Ziel dieser innovativen Wohnform ist ein vermehrtes Maß nachbarschaftlicher Unterstützung im Wohnalltag, im Falle von Pflegebedürftigkeit werden je nach individuellem Bedarf zusätzlich Mobile Dienste angesprochen.
Eine Durchmischung verschiedener Wohnungsgrößen und Wohnungstypen trägt wesentlich zu einer vielfältigen Bewohnerstruktur bei. Bei der Grundrissgestaltung wurde besonderer Wert auf kompakte funktionelle Grundrisse gelegt.
Allen Bewohnern der Anlage stehen neben den allgemeinen Gemeinschaftsräumen, wie Jugend- und Kinderspielraum, Waschküche etc., zusätzliche Multifunktional-/Hobbyräume zur Verfügung. Dieses Angebot wird entlang der internen Fußgängerzone durch eine Bücherbörse, einen Raum für gemeinsames Feiern, sowie einen eigenen Gemeinschaftsbereich für den Bereich Fortgeschrittenes Wohnen gebildet. Diese Räume werden über Eingänge und Verglasungen in die Fußgängerzone erweitert. In direkter Verbindung zum Jugend- und Kinderspieleplatz befindet sich eine Fahrradwerkstatt.

Soziale Durchmischung und Vielfalt

Die Stiegenhäuser erschließen gleichermaßen freifinanzierte, geförderte und SMART-Wohnungen. Diese sind über das Projekt verteilt, wodurch sich eine wünschenswerte soziale Durchmischung ergibt. Die zusätzlichen Kommunikationsflächen als Teil der großzügigen Erschließungsflächen ermöglichen informelle Begegnungen und fördern das Miteinander aller Bewohner.

Bezug des Themas zum Stadtraum

Aufgrund der kompakten Grundrisse wird eine höhere Bewohneranzahl erreicht, welche beim vorliegenden Projekt die aktuelle Forderung nach innerstädtischer Verdichtung erfüllt. Die umfangreichen Angebote an öffentlichem Stadtraum und Grünraum in der näheren Umgebung bieten den Bewohnern die ideale Ergänzung zur kompakten Wohnform und stellen das Projekt als positiven Beitrag zum zeitgemäßen städtebaulichen Diskurs dar.

Auftraggeber GEWOG
Adresse

1120 Wien, Breitenfurterstrasse 59-79

Nutzfläche 10.000 m2
Einheiten 116 Wohnungen, Geschäftszone im EG
Projektstatus Baubeginn 2018

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